Russula faginea

Russula faginea Romagn. (Index Fungorum 23.08.2017)
Buchen-Heringstäubling – RLD 2017: *, RLBW 2005: G

Übersicht
Bei Rotbuchen auf Kalkboden wächst von Juli bis September der Buchen-Heringstäubling, eine recht groß werdende Art mit weinbraunem Hut, mildem Geschmack und Geruch nach Heringslake.

Speisewert
Essbar.

Makromerkmale
Der Hut dieser mit bis 15 cm Durchmesser recht groß werdenden, robusten Art ist glatt, matt, weinbraun, rotbraun bis olivbraun gefärbt, doch meist nicht gleichförmig, sondern eher gescheckt; auch cremefarbene Aufhellungen kommen vor. Die Lamellen sind sehr brüchig, reif gelblich, dick, breit, anfangs gedrängt, später weitstehend, selten gegabelt, so gut wie nicht untermischt. Der Stiel ist zylindrisch bis etwas bauchig, weiß und von der Basis her bräunend. Das Fleisch ist hart, weiß, an der Luft bräunend, im Hut dick, Stielinneres voll, alt weich und bräunend.
Makrochemische Farbreaktionen: Eisensulfat grünlich, Guajak sofort stark positiv, mit Anilin Fleisch, Stielrinde und Lamellen nach zehn Minuten knallrot.
Die Sporenpulverfarbe ist hellgelb IVa.

Mikromerkmale
Die Sporen der Art sind breitellipsoid, also fast rund, sie messen im Schnitt 9 x 8 µm und besitzen einen mittleren Schlankheitsgrad Qm: 1,15-1,2. Ihr Ornament besteht aus derben, isolierten, bis 1 µm hohen Stacheln. Nur ab und zu sind zwei oder drei durch eine dünne Linie verbunden. Dies entspricht in etwa Sporentyp A3.
Die Epicutis besteht aus schmalen, dünnwandigen, verzweigten Haaren, deren Glieder mitunter tönnchenförmig angeschwollen sind und deren Enden oft konisch auslaufen, sowie aus zylindrischen oder schmalkeuligen, in Sulfovanillin nicht anfärbbaren Dermatozystiden.
 

Zusätzliche Notizen
Die tönnchenförmigen Anschwellungen einzelner Haarglieder sind für Russula faginea typisch.

Abgrenzung zu ähnlichen Arten
Die Fruchtkörper der am gleichen Standort wachsenden Russula olivacea sind von der Hutfarbe her von Russula faginea oft nicht unterscheidbar. Doch ist Russula olivacea geruchlos, besitzt meist einen rötlichen Stiel, hat eine rosa FeSO4- und eine rotviolette Phenol-Reaktion. Russula graveolens hat etwas helleres Sporenpulver und kleinere Sporen.

 

Fundbeschreibung:

  • Beleg-Nr. – fbw-rus-17-110
  • Funddatum, Exkursionsnummer – 23. August 2017, Exk1731-01
  • Fundort – Baden-Württemberg, Kreis Pforzheim, Gemeinde Pforzheim
  • Wilferdinger Höhe,
  • Koordinaten – MTB 7017/44, Höhe: 330 m
  • Boden, Geologie – Kalk- bzw. Lösslehm über der Muschelkalk-Lösslehm-Grenze
  • Standort – trocken, Schatten, in der Laubstreu
  • BegleitfloraQuercus sp., Fagus sylvatica, Carpinus betulus, Abies alba
  • Wetter – trocken
  • Fotos – Kögel S, Miggel B.
  • Makromerkmale des Fundes:
  • Hut – bis 105 mm breit, glatt, matt, trocken, etwas körnig, durch Trockenheit einige Zonen aufgerissen, flach ausgebreitet bis etwas trichterförmig, Rand etwas eingebogen. Huthaut am Rand bis 1 cm dünn abziehbar, darunter rötlich. Hut mit verschiedenen Farben, teils trüb fleischrot/braunrot/rotbraun (Meth 9, 5-6C-D), teils wesentlich heller, also blassrot (Meth 8-9A3), aber auch blassgelb (Meth 4A2). Hutmitte des einen Exemplars cremefarben ausgeblasst  (Meth 4A3).
  • Lamellen – sehr brüchig, gelblich, am Stiel ausgerandet/ausgebuchtet und schmal angeheftet, am Hutrand gerundet, dick, bis 10 mm breit, selten gegabelt (allenfalls dicht am Stiel), nicht untermischt, dichtstehend, reif am äußersten Rand ca. 6-7 pro cm Hutrand, am Grunde queradrig verbunden; Schneide ganzrandig, mit der Fläche gleichfarben, am äußersten Rand hutfarben (rötlich)
  • Stiel – bis 90×20 (-22) mm, zylindrisch, etwas verbogen, etwas bauchig, stabil, trocken, weiß, von der Basis her stark bräunend, längsadrig.
  • Fleisch – hart, weiß, an der Luft bräunend, unter den Lamellen recht dick, Stielrinde hart, Stielinneres voll, weich, gilbend/bräunend.
  • Geruch – deutlich nach Heringslake
  • Geschmack – mild
  • Makrochemische FarbreaktionenFeSO4: schwach grün,
    1/4-Guajak: unmittelbar (5 sec) starke Reaktion, Phenol banal braun,
    Anilin: nach mehr als 10 Min. knallrot (Fleisch, Stiel und Lamellen),
    SV: Frk frisch und Exsikkat: keine Reaktion
  • Verfärbung des Trockenbelegs – Lamellen und Fleisch grau verfärbend
  • Sporenpulverfarbe (Marxmüller-Tabelle) – hellgelb IVa
  • Mikromerkmale des Fundes:
  • Sporen – breitellipsoid, derb isoliertstachelig, Stacheln konisch, bis 1,0 (1,3) µm hoch, ab und zu einige zusammenlaufend, nur selten einmal zwei oder drei Warzen durch sehr dünne Linien verbunden, Ornamente stark amyloid, Hilarfleck 2×2,5 bis 3×3,5 µm, außen stark, innen schwächer amyloid, Ornamentdichte relativ gering.
  • Messwert-Statistik (n32, p95%):
    Populationsgrenzen: 8,3-9,1-9,9 x 7,1-7,8-8,5 µm
    Mittelwertgrenzen: 9,0-9,3 x 7,7-7,9 µm
    Qm: 1,14-1,19
    Vm: 280-300 µm3 
  • Epicutis – aus Haaren und Dermatozystiden bestehend:
  • Haare vielfach verzweigt, meist 2,5-4 µm breit, jedoch einzelne Glieder bis zu 10 µm tönnchenförmig verbreitert, Termalglieder 15-20 µm lang, zylindrisch mit gerundetem Ende oder verschmälert auslaufend.
  • Dermatozystiden in SV nicht anffärbbar, spindelförmig bis schmalkeulig, 4-9 µm breit, meist mit 0-2 Septen.