Russula rosea

  • Russula rosea Pers. (Syn. Russula lepida Fr.) (Index Fungorum 21.08.2017)
    Harter Zinnobertäubling – RLD 2017: *, RLBW 2005: *

Übersicht
Diese häufige, mittelgroße, sehr schwach fruchtig und nach Zedernolz riechende, etwas bitterlich und nach Bleistift bzw. Papier  schmeckende Art mit mattem, rotem Hut, blassen Lamellen, meist rötlichem Stiel und sehr hartem Fleisch ist bodenvag und wächst von Juni bis Oktober bei Laubbäumen, vorzugsweise Rotbuchen.

Speisewert
Wegen des bitterlichen Geschmacks als ungenießbar anzusehen.

Makromerkmale
Der Hut dieser mittelgroßen Art wird bis 12 cm breit, trocken, samtig-matt und am Rand meist ungerieft, bei Trockenheit aufreißend, flach ausgebreitet, in der Farbe zinnoberrot, blutrot oder rosarot und oft mittig zu Creme ausblassend. Die Huthaut ist nicht oder nur am äußersten Rand abziehbar. Die Lamellen sind sehr brüchig, hell creme, manchmal mit rötlicher Schneide, gedrängt, dick und breit, allenfalls dicht am Stiel gegabelt und kaum untermischt. Der Stiel ist zylindrisch, manchmal etwas verbogen, stabil, sehr hart, trocken, weiß, oft mit rötlichen Bereichern oder komplett rot, längsadrig. Das Fleisch ist weiß, sehr hart, im Stiel voll.
Makrochemische Farbreaktionen: Eisensulfat schwach rosa, Guajak sofort stark positiv, Sulfovanillin am frischen Fruchtkörper negativ, am Exsikkat sofort eosinrot.
Über Nacht ausgefallenes Sporenpulver ist blass creme IIa.

Mikromerkmale
Die Sporen sind breitellipsoid, messen etwa 7-8,5 x 6-7,5 µm, bei einem mittleren Schlankheitsgrad Qm: 1,14-1,19. Die Ornamentation ist niederwarzig-gratig mit bis zu 0,5 (0,6) µm hohen Warzen, die netzig untereinander verbundenen sind. Dies entspricht dem Sporentyp-Bereich C2-D3-E3
Die Epicutis ist komplex aufgebaut und schwer deutbar: Sie besteht besteht aus Haaren, Dermatozystiden und Primordialhyphen. Die Haare sind kurzgliedrig, zylindrisch, vielfach verzweigt, 2,5-3,5 µm breit. Das Terminalglied ist ca. 10-20 µm lang, mit abgerundetem, oft kopfigem Ende. Die Dermatozystiden sind in  in den sulfoaldehydischen Reagenzien nicht anfärbbar, besitzen jedoch lichtbrechende Inhaltsstoffe. Sie sind lang zylindrisch bis schlankkeulig, 4,5-6 µm breit, unseptiert, schwer von den Primordialhyphen unterscheidbar. Die Primordialhyphen sind lang zylindrisch, vielfach septiert, verzweigt, 3-4,5 µm breit. Karbolfuchsin lässt die Elemente der Huthaut zahllose rote Tröpfchen „emittieren“, die teilweise den Hyphen und Dermatozystiden anliegen, meist jedoch frei in der Flüssigkeit schwimmen.

Zusätzliche Notizen
Bedingt durch die recht variablen Farben von Hut, Stiel und Lamellenschneide wurden in der Literatur zahlreiche Farbformen bzw. Varietäten beschrieben.
Die beobachtete eosinrote Sulfovanillin am Exsikkat wird in der Fachliteratur bisher nicht beschrieben!

Abgrenzung zu ähnlichen Arten
Unterschiede zum Ockerblättrigen Zinnobertäubling Russula pseudointegra siehe dort. Der Große Rosatäubling Russula aurora Krombh. ist absolut mild, besitzt einen reinweißen Stiel und hat auffällige, inkrustierte Primordialhyphen.

 

Fundbeschreibung

  • Kurzportrait der Art – mittelgroßer, sehr stabiler, geruchloser, schwach bitter schmeckender Hellcremesporer bei Laubbäumen, mit mattem, samtigem, zinnoberrotem, oft mittig ausblassendem Hut, blassen Lamellen mit oftmals rötlichen Schneiden, weißem, meist rosa geflammtem Stiel und hartem Fleisch; Huthaut mit inkrustierten Dermatozystiden und inkrustierten Primordialhyphen.
  • Fundbeschreibung:
  • Beleg-Nr. – fbw-rus-17-109
  • Funddatum, Exkursionsnummer – 15. August 2017, Exk1730-01
  • Fundort – Baden-Württemberg, Kreis Pforzheim, Gemeinde Pforzheim
  • Herzensgrund
  • Koordinaten – MTB 7017/44, Höhe: 330 m
  • Boden, Geologie – Älterer Lößlehm, Wegrandbereich (Kalkschotter)
  • Standort Trocken, hell bis Halbschatten
  • BegleitfloraQuercus sp., Fagus sylvatica, Carpinus betulus, Corylus avellana, junge Abies alba
  • Substrat – in der Laubstreu, Randbereich des kalkgeschotterten Weges
  • Wetter – trocken
  • Fotos – Kögel S, Miggel B
  • Makromerkmale des Fundes:
  • Hut – glatt, matt, trocken, körnig, zinnoberrot/knallrot/mattrot (Meth Tafeln 9, 10, 11), Hutmitte des einen Exemplars cremefarben/gelblich ausgeblasst (Meth 4A3), 100 bzw. 110 mm breit, flach ausgebreitet bzw. etwas aufgebogen, am äußersten Rand etwas höckrig gerieft. Huthaut nur am Rand dünn abziehbar, darunter weiß
  • Lamellen – sehr brüchig, blass gelblich, am Stiel ausgerandet/ausgebuchtet und schmal angeheftet, am Hutrand gerundet, dick, bis 10 mm breit, selten gegabelt (allenfalls dicht am Stiel), kaum untermischt, dichtstehend, reif am äußersten Rand ca. 6-7 pro cm Hutrand, am Grunde queradrig verbunden. Schneide ganzrandig, mit der Fläche gleichfarben
  • Stiel – 85×18 bzw. 90×20 mm, zylindrisch etwas verbogen, stabil, hart, trocken, weiß mit rötlichen Bereichern, längsadrig
  • Fleisch – hart, weiß, unter den Lamellen nur dünn, im Stiel sehr fest, Stielinneres ausgefüllt
  • Geruch – geruchlos (Sven + Bernd), schwach fruchtig und nach Zedernholz (Conni)
  • Geschmack – verzögert bitterlich, etwas nach Papier, Bleistift, im Mund später zusammenziehend (Sven + Bernd); anfangs Bleistift/Zedernholzgeschmack, dann (verzögert) bitterlich (Conni)
  • Makrochemische FarbreaktionenFeSO4: schwach rosa,
    1/4-Guajak: unmittelbar (5 sec) starke Reaktion, SV am frischen Fruchtkörper negativ, am Exsikkat sofort eosinrot (in Abweichung von der gängigen Literatur)
  • Verfärbung des Trockenbelegs – unverändert
  • Sporenpulverfarbe (Marxmüller-Tabelle) – blass creme IIa
  • Mikromerkmale des Fundes:
  • Sporen –breitellipsoid, niederwarzig-kurzgratig-netzig, Netz meist geschlossene Maschen bildend, Ornamente bis 0,5 µm hoch, stark amyloid, Hilarfleck meist 2×2,5 µm, außen stark, innen schwach amyloid
  • Messwert-Statistik (n26, p95%):
    Populationsgrenzen: 6,9-7,7-8,4 x 5,9-6,6-7,2 µm
    Mittelwertgrenzen: 7,5-7,8 x 6,4-6,7 µm
    Qm: 1,14-1,19
    Vm: 160-180 µm3
  • Epicutis – komplex: aus Haaren, Dermatozystiden und Primordialhyphen bestehend:
  • Haare kurzgliedrig, zylindrisch, vielfach verzweigt, 2,5-3,5 µm breit, Terminalglied um die 10-20 µm lang, mit abgerundetem, oft kopfigem Ende
  • Dermatozystiden in den Sulfoaldehyden nicht anfärbbar, aber mit lichtbrechenden Inhaltsstoffen, lang zylindrisch bis schlankkeulig, 4,55-6 µm breit, unseptiert,  in ihrer Form den Primordialhyphen ähnelnd
  • Primordialhyphen lang zylindrisch, vielfach septiert, verzweigt, 3-4,5 µm breit. Karbolfuchsin lässt die Epicutis zahllose rote Tröpfchen „emittieren“, die teilweise den Hyphen und Zystiden anliegen, meist aber frei in der Flüssigkeit schwimmen
  • Notizen – Romagnesi beschreibt viel kugligere Sporen; bei Sarnari passen die hier gemessenen Sporen in Größe und Schlankheitsgrad
  • Abgrenzung – Unterschiede zu Russula pseudointegra siehe dort.