Russula exalbicans (pulchella)

Russula exalbicans (Pers.) Melzer & Zvára (Syn. Russula pulchella I.G. Borshch.) (Index Fungorum 01.11.2017)
Verblassender Täubling – RLD 2017: *, RLBW 2005: *

 Übersicht
Dieser recht groß werdende, gedrungene, geruchlose, leicht scharf schmeckende Täubling macht seinem Namen alle Ehre: Seine meist blasse und trübe Hutfarbe variiert von cremeweiß über bräunlich, hellrosa bis wundrot und sogar violettbraun in allen Schattierungen. Er wächst von Ende Juni bis Anfang November, und zwar nur unter Birken im offenen Gelände.

Speisewert
Wegen des leicht scharfen Geschmacks als ungenießbar anzusehen.

Makromerkmale
Der bis 120 mm breite Hut ist glatt, am Rand höchstens kurz gerieft, glänzend, trocken, bei Feuchtigkeit klebrig, oftmals unregelmäßig geformt, schon jung ausgebreitet und Erdkrümel tragend. Die Huthaut ist, je nach Fruchtkörper, nur am Rand oder viel weiter, z.T. bis über die Hälfte, abziehbar, das Fleisch darunter hell hutfarben. Die Farbe des Hutes ist meist irgendwie verwaschen creme bis wundrosa, aber auch weißlich, hell bräunlich oder violettbraun, oft mit verschiedenen Farbtönen auf demselben Hut. Die blass bleibenden Lamellen sind am Stiel nur schmal angeheftet, bis 8 mm breit, reif etwas entfernt stehend, 7-9 pro cm Hutrand, häufig gegabelt, jedoch wenig untermischt, am Grunde queradrig verbunden und bei einigen Fruchtkörpern sogar wabenförmig anastomisierend. Der Stiel ist kurz und stämmig, immer kürzer als die Hutbreite. Er ist weiß, ausnahmsweise rötlich überhaucht und neigt im Alter zum grau werden. Das Fleisch ist bei jungen Exemplaren fest, bei älteren im Stiel weich. Es ist weiß, neigt allerdings schwach zum Grauen.
Makrochemische Farbreaktionen: E
isensulfat sehr schwach rosa, fast negativ, Guajak verzögert, mäßig positiv,  Anilin negativ, Sulfovanillin schwach rötlich.
Über Nacht ausgefallenes Sporenpulver ist hellocker IIIa-b.


Mikromerkmale
Die Sporen sind ellipsoid mit einer Größe von 7,5-9,5 x 6-7,5 µm, bei einem mittleren Schlankheitsgrad Qm: 1,25-1,35.  Einzelne Sporen sind mit Q: 1,4-1,6 wesentlich schlanker. Das Ornament ist warzig-teilnetzig, mit niedrigen, bis 0,5 µm hohen Warzen. Die Warzen fließen vielfach reihig ineinander oder sind kurzgratig miteinander verbunden. Dies entspricht etwa den Sporentypen C2 oder E4
Die Hymenialzystiden sind keulig in den Maßen 25-30 x 160-180 µm, sie sind termal entweder abgerundet oder besitzen eine Einschnürung mit nachfolgendem, etwa 20-25 µm dicken „Kopf“. Ihr Inneres färbt sich in Sulfovanillin stark schwarz.

Die Epicutis besteht aus Haaren und Dermatozystiden. Die Haare sind zylindrisch, selten verzweigt, das Terminalglied ist meist gerade, 3-3,5 µm dick und 15 -30 µm lang, am Ende meist leicht eingeschnürt und kopfig verdickt. Die Dermatozystiden sind meist zylindrisch, oft geschlängelt, nur wenige schlankkeulig, sie sind terminal gerundet, unseptiert, 5-8 µm dick und 80-220 µm lang, und nur einige färben sich in Sulfovanillin schwarz.


Zusätzliche Notizen
Typisch für die Art ist der Standort unter Birken, der etwas grau werdende Stiel und das Auftreten einiger, sehr in die Länge gezogener Sporen.

Abgrenzung zu ähnlichen Arten
Der an ähnlichen Standorten wachsende Vielfarbige Täubling Russula versicolor ist wesentlich kleiner und besitzt einen von unten her gilbenden Stiel.

 

Fundbeschreibung:

  • Beleg-Nr. – fbw-rus-17-136
  • Funddatum, Exkursionsnummer – 01. November 2017, Exk1749-01
  • Fundort – Baden-Württemberg, Enzkreis, Gemeinde Königsbach-Stein
  • Königsbach-Pferdekoppel
  • Koordinaten – MTB 7017/231; N48.96881° E8.60051°; Höhe 169 m
  • Boden, Geologie – Parabraunerde aus Löss über Muschelkalk
  • Standort – trocken, hell, Halbschatten bis Sonne
  • Begleitflora/BegleitfungaBetula pendula, Populus canadensis, Salix; Tricholoma populinum, Lactarius pubescens, Agaricus sp.
  • Wetter – trocken
  • Fund – sehr viele Exemplare, einzeln wachsend und dabei die erde hochschiebend.
  • Fotos – Kögel S, Miggel B
  • Makromerkmale des Fundes:
  • Gesamteindruck: ein bei Birken in offenem Grlände wachsender, geruchloser, leicht scharf schmeckender, stämmiger, robuster, mittelgroßer bis großer Täubling mit wundrotem bis cremefarbenem Hut, kurzem, rel. dickem, alt grauendem Stiel und blassen Lamellen.
  • Hut – bis 110 mm breit, glatt, glänzend, viele Frk. verbogen, Rand glatt oder kurz gerieft, trocken, bei Feuchtigkeit klebrig, unregelmäßig, schon jung ausgebreitet und Erdkrümel tragend, Huthaut, vom Rand auf die Hälfte des Radius abziehbar, darunter hell hutfarben.
    Hutfarbe wundrosa, blass weinrot, hell bräunlich mit leichtem Graustich, creme, creme mit rötl. Hutrand. Mitunter wie ein bewölkter Himmel mit unterschiedlichen Nuancen in wundrosa, creme, hellbräunlich, braunviolett. Auch oft auf dem Hut zonenweise die unterschiedlichsten Farbbereiche, z.B.:

    1: Hutmitte dunkel braunviolett Meth 11D6, weiter außen graurosa  11D6, 11C6, Randbereiche teilweise creme, gelbweiß 4A2
    Frk. 2: Gesamter Frk. hell graulichbräunlich (Meth 1B3 – 3B3)
    Frk. 3: gesamter Frk. einheitlich graulich-weißlich (heller als Meth 3B2)
    Frk. 4: gesamter Frk. einheitlich zwischen Meth 2A2 und 2B2 liegend.
  • Lamellen – blass, am Stiel fast frei, am Rand scharf, bis 8 mm breit, dicht stehend, am Hutrand 7-9 pro cm Hrd, häufig, z.T. sehr häufig gegabelt, wenig untermischt, bei einigen Frk. anastomisierend, am Grunde queradrig verbunden.
  • Stiel – bis 50×28 mm, kurz, dick, im allgemeinen viel kürzer als der Hut breit, zylindrisch, gerade oder leicht keulig oder bauchig und unten etwas ausspitzend, weiß, bald gräulich, längsadrig.
  • Fleisch – fest, später im Stiel wattig weich, weiß, spätrt ganz leicht grauend (jedoch nicht so stark wie die Stielhaut.
  • Geruch – geruchlos
  • Geschmack – Lamellen deutlich scharf und im Hals leicht kratzend, Hut- und Stielfleisch schärflich
  • Makrochemische Farbreaktionen – FeSO4: äußerst schwach rosa, fast negativ, 1/4Guajak: langsam, mäßig positiv, Anilin: negativ, SV: rötlich, aber nicht staek
  • Verfärbung des Trockenbelegs – Lamellen werden gelblich
  • Sporenpulverfarbe (nach Marxmüller-Tabelle) –  hellocker IIIa-b
  • Mikromerkmale des Fundes:
  • Sporenellopsoid, warzig-teilnetzig, Warzen niedrig und stumpfkegelig, bis 0,5 µm hoch. Warzen vielfach reihig ineinander fließend oder kurzgratig miteinander verbunden, stark amyloid, Hylarfleck in die Breite gehend, etwa 2×2,5 bis 2,5×3 µm, am dem Appendix abgewandten Ende amyloid.
    Auffallend sind etliche sehr große – V: 250-260 µm3 – und etliche sehr stark in die Länge gezogene – Q: 1,4-1,6 – Sporen, typisch für diese Art!
  • Messwert-Statistik (n24, p95%):
    Populationsgrenzen: 7,5-8,6-9,6 x 5,8-6,6-7,5 µm
    Mittelwertgrenzen: 8,4-8,8 x 6,5-6,8 µm
    Qm: 1,26-1,32
    Vm: 185-213 µm3
  • Epicutis – Beschreibung s.o.
  • Hymenialzystiden – Beschreibung s.o.