Russula nobilis

Russula nobilis Velen. (Syn. Russula mairei Singer) (Index Fungorum 19.10.2017)
Buchen-Speitäubling – RLD 2017: *, RLBW 2005: *

Übersicht
Von Juli bis in den November hinein begegnet uns bei Rotbuchen der recht häufige, mittelgroße Buchen-Speitäubling, eine bodenvage Art mit hochrotem Hut, sehr scharfem Geschmack und leicht fruchtigem Geruch.

Speisewert
Wegen des sehr scharfen Geschmacks als Magen-Darm-giftig anzusehen (gastrointestinales Syndrom).

 Makromerkmale
Der bis zu 6 cm breite Hut ist knallrot, oft mit etwas dunklerer Mitte, er ist feucht klebrig, sonst trocken, matt glänzend, etwas geruntelt, am Rand ungerieft. Die Huthaut ist etwa zu einem Drittel abziehbar, das Fleisch darunter rötlich.
Die Lamellen sind zuerst weiß, später hell creme, dünn und gedrängt, nur wenig untermischt und eher selten gegabelt.
Der Stiel ist zylindrisch, mitunter verbogen, weiß und längsadrig.
Das Fleisch ist weiß und fest, im Alter wird es weich und im Stiel wattig.
M
akrochemische Farbreaktionen: Eisensulfat: deutlich rosa, Guajak: sofort stark positiv, Anilin: orange.
Über Nacht ausgefallenes Sporenpulver ist weißlich Ib.

Mikromerkmale
Die Sporen sind ellipsoid, messen 7,5-8 x 6-6,5 µm, bei einem mittleren Schlankheitsgrad Qm: 1,25-1,3. Sie sind warzig-stachelig und kurzgratig, die Ornamente bis 0,6 (0,7) µm hoch und teilnetzig bis netzig miteinander verbunden. Dies entspricht dem Sporentypbereich 2C-3D
Die Huthaut besteht aus 2-3 µm breiten, selten einmal verzweigten Haaren mit 15-20 µm langem, geradem, am Ende gerundetem Endglied sowie aus (3) 5,5-8 µm breiten, zylindrischen bis schmalkeuligen, bis 100 µm langen, 0-2 mal septierten, in Sulfovanillin deutlich schwärzenden Dermatozystiden.

Zusätzliche Notizen
Es ist auffällig, dass Russula nobilis gerne auf morschen Baumstümpfen oder vergrabenem Holz wächst. Möglicherweise aufgrund der konstanten Feuchtigkeit dieser Standorte.
Mitunter findet man Exemplare mit bis zu 10 cm Durchmesser.
Schneckenfraßstellen färben nach einiger Zeit rot nach.

Abgrenzung zu ähnlichen Arten
Der Gemeine Speitäubling Russula emetica wächst bei Nadelbäumen, sein Hut besitzt stärkeren Glanz, seine Huthaut ist als Ganzes abziehbar, und die Guajak-Reaktion ist sehr schwach.

 

 

 

Fundbeschreibung:

  • Beleg-Nr. –fbw-rus-17-132
  • Funddatum, Exkursionsnummer – 19. Oktober 2017, Exk1747-01
  • Fundort – Baden-Württemberg, Kreis Karlsruhe, Gemeinde Karlsbad-Spielberg
  • Siegenklamm
  • Koordinaten – MTB 7116/22, N48.87881° E8.48019°, Höhe 355 m
  • Boden, Geologie – Lösslehm
  • Standort, Wetter – feuchter Standort, Halbschatten, trockenes Wetter
  • BegleitfloraFagus, Picea, Abies, Larix
  • Begleitpilze
  • Fund – im Bereich „Siegenklamm“ ca. 80 Exemplare gesichtet. wuchsen vornehmlich in feuchten Bereichen, gerne auf stark vermorschten Stubben und auf vergrabenem Holz.
  • Fotos – Kögel S, Miggel B
  • Makromerkmale des Fundes:
  • Hut – bis 100 mm breit, am Rand gerieft, matt bis matt glänzend, trocken, schon jung ausgebreitet mit eingebogenem Rand, alt flach ausgebreitet bis hochgebogen. Huthaut vom Rand her bis zu einem Drittel dünn abziehbar, darunter rötlich, Hutfarbe rot (Meth 9A6), Hutmitte etwas dunkler (Meth 9B8), Schneckenfraßstellen rot nachfärbend.
  • Lamellen – reif cremefarben, am Stiel schmal angeheftet, am Rand etwas abgerundet, dünn, bis 8 mm breit, dichtstehend, 7-9 pro cm Hutrand, wenig gegabelt, wenig untermischt, am Grunde queradrig verbunden.
  • Stiel – bis 65 x 23 mm, zylindrisch, gerne verbogen, weiß, längsadrig.
  • Fleisch – weiß, jung fest, im Stiel voll, alt weich werdend, dann insbesondere Stielinneres wattig weich.
  • Geruch – deutlich fruchtig
  • Geschmack – sehr scharf
  • Makrochemische Farbreaktionen – FeSO4: deutlich rosa, 1/4-Guajak: sofort stark blaugrün, Anilin: orange
  • Verfärbung des Trockenbelegs
  • Sporenpulverfarbe (nach Marxmüller-Tabelle) – Weißlich Ib
    (Romagnesi und sarnari verlangen für   mairei Ia, das stimmt für unsere Aufsammlung so nicht!).
  • Mikromerkmale des Fundes:
  • Sporen – ellipsoid, warzig-stachelig und etwas kurzgratig, Warzen bzw. Stacheln  netzig (mit sowohl offenen als auch geschlossenen Maschen miteinander verbunden, auch andeutungsweise zebriert, Warzen bis 0,6 (0,7 µm hoch), stark amyloid. Hilarfleck 3-4,5 x2,5-3 µm, mäßig oder nur partiell amyloid.
  • Messwert-Statistik (n24, p95%):
    Populationsgrenzen: 7-7,9-8,7 x 5,6-6,2-6,8 µm
    Mittelwertgrenzen: 7,7-8 x 6,1-6,3 µm
    Qm: 1,24-1,29
    Vm: 150-167 µm3
  • Epicutis – aus Haaren und Dermatozystiden bestehend:
  • Haare 2-3 µm breit, selten einmal verzweigt, mit 15-20 µm langem, geradem, am Ende gerundetem Endglied .
  • Dermatozystiden (3) 5,5-8 µm breit, zylindrisch bis schmalkeulig, bis 100 µm lang, 0-2 mal septiert und in Sulfovanillin deutlich schwärzend.