Russula ochroleuca

Russula ochroleuca Fr. (Index Fungorum Stand 06.11.2017)
Ockertäubling – RLD 2017: *, RLBW 2005: *

Übersicht
Diese sehr häufige, mittelgroße, etwas scharf schmeckende, geruchlose Art besitzt einen gelben Hut, weiße Lamellen und einen weißen Stiel. Sie wächst von Juli bis November sowohl bei Laub- als auch bei Nadelbäumen auf meist sauren Böden.

Speisewert
Essbar, jedoch leicht scharf und nicht sehr wohlschmeckend.

Makromerkmale
Der bis 10 cm breite Hut ist glatt, trocken matt und am Rand kurz höckrig gerieft, feucht klebrig, schon jung ausgebreitet mit geradem oder eingebogenem Rand, alt oft mittig etwas vertieft. Huthaut zu einem Drittel dünn abziehbar, darunter weiß. Hutfarbe hellgelb bis graugelb, gelblich grau, olivlich gelb, sogar rötlich gelb. Die Lamellen sind blass, bis 8 mm breit, dünn, am Stiel rel. gerade angewachsen, am Rand etwas abgerundet, jung dicht, reif entfernt stehend, wenig gegabelt, wenig untermischt, am Grunde queradrig verbunden. Der Stiel ist bis 8 cm lang, zylindrisch, längsadrig, weiß, reif grau werdend, die Basis ist meist gelblich überhaucht. Das Fleisch ist weiß, fest, im Stiel bald gekammert hohl oder wattig weich.

Makrochemische Farbreaktionen: Eisensulfat  rosa, Guajak normal positiv,  KOH färbt die Stielbasis rostorange.
Über Nacht ausgefallenes Sporenpulver ist weißlich Ib.

Mikromerkmale
Die Sporen sind ellipsoid, 8-10 x 6,5-8 µm groß, mit einem mittleren Schlankheitsgrad Qm: 1,18-1,22. Sie sind spitz- bis stumpfstachelig und kurzgratig, mit bis zu 0,8 (0,9) µm hohen Stacheln, die über ein feines Netz offener und geschlossener Maschen miteinander verbunden sind. Dies entspricht dem Sporentypusbereich 2B-3C. Die Ornamentation ist stark amyloid; der Hilarfleck hat 2,5-3 µm Durchmesser, er ist warzig und ungleichmäßig amyloid.
Die Hymenialzystiden sind banal spindelförmig, bis 75 µm lang, an der dicksten Stelle bis 13 µm dick.
Die Huthaut besteht nur aus Haaren. Diese sind rel. dickwandig, lang zylindrisch, unverzweigt, wenig septiert, 2-5 µm dick und mit einer starken, gelblichen, armringartigen Inkrustierung versehen, gut sichtbar in destill. Wasser oder 5-prozentiger Kalilauge. Die Anfärbung in Karbolfuchsin mit nachfolgender Auswaschung in schwacher Salzsäure lässt die Inkrustierung besonders reizvoll erscheinen!

Zusätzliche Notizen
Einige Mykologen fassen den gelblichen Überzug der Stielbasis als eine Art Velum auf, das sich mit Kalilauge rostorange anfärben lässt. Dieses „Velum“ ist auch beim Lederstiel-Täubling Russula viscida und beim Milden Kammtäubling Russula insignis vorhanden.
Monedero C (2011) beobachtete bei einer Aufsammlung typische Dermatozystiden in der Huthaut , die in der Subcutis entsprangen und knapp in die Epicutis hineinragten.

Abgrenzung zu ähnlichen Arten
Der Gelbe Graustieltäubling Russula claroflava hat einen kanariengelben Hut, ist völlig mild im Geschmack und besitzt in der Huthaut inkrustrierte Primordialhyphen. Der Gallentäubling Russula fellea besitzt gelbliche Lamellen und einen gelblichen Stiel, schmeckt brennend scharf und hat in der Huthaut Dermatozystiden.

Offene Fragen
Ist es denkbar, dass es sich bei den „Haaren“ in der Epicutis von Russula ochroleuca um echte Primordialhyphen handelt?

 

Fundbeschreibung:

  • Beleg-Nr. –fbw-rus-17-137
  • Funddatum, Exkursionsnummer – 07. November 2017, Exk1751-01
  • Fundort – Baden-Württemberg, Kreis Calw, Gemeinde Oberreichenbach-Würzbach
  • NSG Waldmoor-Torfstich
  • Koordinaten – MTB 7217/42, N48.73230° E8.64427°; Höhe 628 m
  • Boden, Geologie – Torfboden auf Klebsand über Oberem Buntsandstein
  • Standort, Wetter – trockener, heller bis schattiger Standort, Wetter nass
  • Begleitflora – Abies, Pinus, Picea, Betula, Blaubeeren
  • Begleitpilze – keine
  • Fund – ca. 10 Exemplare eines mittelgroßen Täublings mit gelbem bis graugelbem Hut, weißen Lamellen und weißem, grau werdendem, basal gelblich überhauchtem Stiel
  • Fotos – Kögel S, Miggel B
  • Makromerkmale des Fundes:
  • Hut – bis 80 mm breit, glatt, matt, meist am Rand höckrig gerieft, schon jung ausgebreitet mit geradem oder eingebogenem Rand, alt oft mittig etwas vertieft. Huthaut am Rand ein Drittel des Radius dünn abziehbar, darunter weiß. Hutfarbe hellgelb (Meth 4A4, 4A5) und alle Schattierungen von graugelb (Meth 4B4, 4B5, 4B6, 4C5).
  • Lamellen – blass, bis 8 mm breit, dünn, am Stiel rel. gerade angewachsen, am Rand etwas abgerundet, jung dicht, reif entfernt stehend, dann 5-7/mm Hrd, wenig gegabelt, wenig untermischt, am Grunde queradrig verbunden, auch ein paar Anastomosen vorhanden.
  • Stiel – bis 80×25 mm, zylindrisch, gerade oder auch gekrümmt, weiß, reif grauend, Basis meist gelblich überhaucht, längsadrig.
  • Fleisch – weiß, fest, im Stiel bald mit Kavernen oder wattig weich
  • Geruch – geruchlos
  • Geschmack – beim großen Exemplar: Stielfleisch mild, Hutfleisch schwach schärflich, Lamellen: etwas stärker schärflich
  • Makrochemische Farbreaktionen – FeSO4: rosa, Guajak: normal positiv, KOH (30%) auf Stielbasis rostorange
  • Verfärbung des Trockenbelegs
  • Sporenpulverfarbe (nach Marxmüller-Tabelle) –  Weißlich Ib
  • Mikromerkmale des Fundes:
  • Sporen – ellipsoid, spitzstachelig, Stacheln bis 0,8 (0,9) µm hoch, durch eine feines Netz, teils offener, teils geschlossener Maschen miteinander verbunden, Ornamentation stark amyloid, Hilarfleck 1,6-2,5 µm im Durchmesser, ungleichmäßig amyloid.
  • Messwert-Statistiken
  • a) Frk D=4,5 cm, Sporen in Melzer + Glyzeringelatine (n17, p95%):
    Populationsgrenzen: 7,5-8,4-9,3 x 6,2-7-7,8 µm
    Mittelwertgrenzen: 8,2-8,3 x 6,8-7,2 µm
    Qm: 1,18-1,23
    Vm: 200-233 µm3
  • b) Frk D=4,5 cm, Sporen in Melzer (n28, p95%):
    Populationsgrenzen: 7,8-8,6-9,5 x  6,6-7,2-7,8 µm
    Mittelwertgrenzen: 8,5-8,8 x 7,1-7,4 µm
    Qm: 1,17-1,22
    Vm: 227-248 µm3
  • c) Frk D=8 cm, Sporen in Melzer (n23, p95%):
    Populationsgrenzen: 7,7-8,6-9,6 x 6,6-7,3-8 µm
    Mittelwertgrenzen: 8,4-8,8 x 7,2-7,5 µm
    Qm: 1,15-1,21
    Vm: 228-255 µm3
  • Ergo: Der Zusatz von Glyzeringelatine lässt die Sporen schrumpfen!!
  • Epicutis – besteht nur aus Haaren
  • Haare lang und schmal, 2-5 µm breit, mit einer gelblichen, armringartigen, dicken Inkrustierung versehen, unverzweigt, wenig septiert.